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So vermeidest du einen Stapel ungelesener Bücher

Ein Stapel ungelesener Bücher

Das erwartet dich in diesem Artikel

Jeder von uns hat einen Stapel ungelesener Bücher. Bestellt und nie gelesen, geschenkt bekommen und kein Interesse gehabt oder begonnen und nicht beendet. Wenn du erfahren möchtest, welche Schritte wichtig sind, um deinen Bücherstapel abzubauen und warum uns die Regeln aus der Schule nicht dabei helfen, ist dieser Artikel etwas für dich.


Stelle eine Frage an dein Buch

Mein Speed-Reading und Speed-Learning-Seminar von letzter und vorletzter Woche war ziemlich ergiebig. Das erste Learning hast du letzte Woche lesen können, es ging um schnelleres Lernen mit der Mindmap. Jetzt geht es darum, wie du einen Stapel ungelesener Bücher vermeiden kannst. Für den Stapel ungelesener Bücher gibt es sogar eine eigene Abkürzung, wie ich gesehen habe: SuB. Meinen Stapel siehst du im Artikelbild. Obwohl ich in diesem Jahr schon etwa 20 Bücher gelesen habe und damit so viele wie noch nie in acht Monaten, wird er stetig etwas größer. Das liegt derzeit aber nicht daran, dass ich nicht zum Lesen komme, sondern dass mehr Bücher bestelle als ich pro Woche lese. Der Grund des Stapels ist aber egal, jeder hat seinen eigenen Stapel ungelesener Bücher und seine eigenen Gründe.

 

 

Du erste Neuerung aus dem Seminar kam gleich zu Beginn: Stelle eine Frage an dein Buch. Gemeint ist hier in erster Linie ein Fachbuch, das wir zu einem Zweck, der mit unserem Beruf zu tun hat, lesen wollen oder sollen. Ein explizite Frage an ein Buch gestellt habe ich noch nie. Natürlich gibt es einen Grund, weswegen ich ein Buch kaufe: Es soll mir helfen ein neues Thema zu verstehen, ich habe es empfohlen bekommen, es hat tolle Renzensionen bekommen und alle sprechen darüber etc. Aber eine konkrete Frage an ein Buch stellen? Ja! Warum? Weil du nur mit einer gestellten Frage bei der Lektüre des Buchs bewerten kannst, ob es diese auch beantwortet. Was soll sich verändert haben, nachdem du es gelesen hast? Wenn du diese Frage gar nicht erst stellt, kannst du auch nicht beantworten, ob oder wann das Buch sie dir beantwortet hat.

 

 

Du musst ein Buch nicht von vorne nach hinten durchlesen

Ein Bücherstapel

Wie sehr wir durch das Lesen in der Schule selbst Jahrzehnte danach geprägt sind, habe ich erst jüngst bei diesem Seminar gemerkt. Unsere Lesegeschwindigkeit ist meist genauso langsam wie unsere Sprechgeschwindigkeit (zwischen 180 bis 240 Worten pro Minute). Warum is das so? Weil wir in der Schule laut vorlesen mussten, damit unsere Lehrer nachvollziehen konnten, ob wir (gut) lesen können. Das führt beim Erlernen des Lesens dazu, das wir unbewusst im Kopf "mitlesen", obwohl unser Gehirn deutlich schneller lesen und Texte verstehen könnte. In der Folge geht unser Gehirn manchmal "auf Wanderschaft", weil es nicht ausgelastet ist. Es springt im Text zurück oder der Gedanke an das Abendessen kommt auf. Schnelleres Lesen, das in jedem Fall schneller als unsere Sprechgeschwindigkeit ist, führt also interessanterweise sogar zu besserem Textverständnis. Wir lesen fokussierter.

 

Eine andere starke Prägung aus der Schulzeit ist die Vorgabe ein Buch von vorne nach hinten zu lesen. Beim Roman hat das durchaus seinen Sinn ;-), aber beim Fachbuch ist das nicht unbedingt nötig und manchmal sogar nicht sinnvoll. Die Reihenfolge des Buches, die der Autor erstellt hat, muss nicht die Reihenfolge sein, in der du das Buch liest. Nicht alle Aspekte eines Buchs müssen für dich - und deine an das Buch gestellte Frage - relevant sein. Also ist es auch in Ordnung, wenn du bestimmte Kapitel überfliegst oder gar nicht liest. Und natürlich kannst du das Buch in deiner ganz eigenen Reihenfolge lesen. Dazu gebe ich dir nachfolgend ein paar Schritte auf, die dir helfen sollen deinen eigenen Einstieg in ein Buch zu finden:

  • Einen Überblick verschaffen: Lies den Klappentext des Buchs und schau' dir das Foto des Autors an.
  • Das Inhaltsverzeichnis durchschauen: Lies' eine Kapitelüberschrift (samt Beschreibung, wenn vorhanden) und schließe deine Augen. Was löst das Kapitel bei dir aus? Nichts, Widerstand? Dann gehe zum nächsten Kapitel und wiederhole diesen Schritt so oft, bist du ein Kapitel gefunden hast, das bei dir starkes Interesse auslöst.
  • Stelle dem Autor eine Frage: Schließe wieder deine Augen und stell' dir vor, dass du nun die Chance hast dem Autor eine Frage zu diesem Kapitel zu stellen. Welche wäre das? Schreibe diese Frage auf.
  • Fünf Fragen sammeln: Wiederhole diesen Vorgang, bis du fünf für dich relevante Kapitel gefunden hast und je eine Frage pro Kapitel an den Autor aufgeschrieben hast.
  • Wähle die relevanteste Frage aus: Danach wählst du die Frage aus den fünf Fragen aus, die für dich jetzt die wichtigste ist. Damit hast du deinen Einstieg ins Buch gefunden. Mit dem Kapitel hinter der relevantesten Frage startest du das Buch.
  • Repriorisiere die Kapitel: Danach kannst du entweder die nächsten Kapitel in deinem Ranking lesen oder den Prozess wiederholen. Gehe die Kapitel erneut durch und überprüfe, ob ein Kapitel, das vorher uninteressant war, nun mit Kenntnis eines gelesenen Kapitels spannend geworden ist.
  • Lasse Kapitel aus, wenn sie keine Fragen beantworten: Wenn einzelne Kapitel weiterhin für dich und deine Fragen an das Buch irrelevant sind, lass' sie aus.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Reihenfolge im Buch, die vom Autor erstellt wurde, deine eigene ist, ist relativ gering. Also befreie dich davon ein Buch von vorne nach hinten lesen zu müssen. Lies' das, was für dich relevant ist und lass' das aus, was deine Fragen an das Buch nicht beantwortet.

 

Passe deine Lesegeschwindigkeit deinem Interesse an

Das Seminar hatte neben Speed-Learning auch Speed-Reading zum Thema und ich konnte meine Lesegeschwindigkeit mit vollem Textverständnis von 195 Worten pro Minute nach einer Woche und etwas Trainieren auf 365 Worte pro Minute steigern. Ich habe gemerkt, wie schwer mir die Übungen bewusster Überforderung der Augen und das "loslassen" vom Text gefallen sind. Für mich geht es daher nicht um Speed-Reading um der Geschwindigkeit willen, sondern die Fähigkeit meine Lesegeschwindigkeit der jeweiligen Textpassage anpassen zu können. Wenn ich in einem Abschnitt bin, den ich lesen muss, der aber für mich keine große Relevanz hat, kann ich die Geschwindigkeit nun deutlich erhöhen und diese Passage schneller lesen. Nachdem ich dort gelandet bin, wo meine Frage an das Buch beantwortet wird, reduziere ich die Geschwindigkeit wieder, um genau zu verstehen, was der Autor vermitteln möchte. Ich unterbreche das Lesen regelmäßig, lese Passagen ggf. zweimal und mache mir mit meiner neuen Mindmap-Methode Notizen, die ich gut behalten kann.

Schnapp' dir ein Buch von deinem Stapel!

Buch zu Prozessoptimierung 4.0

Jetzt hast du alles, was du wissen musst, um den Stapel der ungelesenen Bücher zu verringern. Meine Aufgabe an dich: Schnapp' dir ein Buch, das du dir einmal mit gewissen Euphorie begonnen und dann abgebrochen hast oder dass du noch gar nicht begonnen hast. Am besten ein Fachbuch, bei dem die Reihenfolge der Kapitel problemlos durch dich bestimmt werden kann. Dann gehe mit diesem Buch die o.g. Schritte durch. Such' dir ein paar Kapitel, die für dich spannend klingen, stell' dem Autor deine Fragen und lese die Kapitel in deiner Reihenfolge. Probier' einfach einmal aus, ob auch du dich von der strengen Reihenfolge von vorne nach hinten, die wir seit der Schule praktizieren, lösen kannst. Wenn du das schaffst, wird sich dein Bücherstapel schnell verkleinern.

 

Fazit


Das Ziel dieses Artikels ist, dir ein paar Schritte an die Hand zu geben, in welcher Weise du deinen Stapel ungelesener Bücher verkleinern kannst. Vielleicht entdeckst du ein begonnenes und abgebrochenes Buch neu, weil du es nach Kapitel 3 weggelegt hast und es ab Kapitel 8 spannend geworden wäre. Löse dich von der schulischen Vorgabe chronologischen Lesens. Ein Buch, das du kursorisch liest und aus dem du irgendetwas Werthaltiges ziehst, ist immer noch besser als ein Buch, das du nie lesen wirst!

 

Schreib' mir gern, ob du diese Schritte ausprobieren willst und wie es für dich funktioniert hat. Das kannst du gern per Email, über Twitter, Facebook und Instagram tun. Wenn du keinen Artikel mehr verpassen willst, abonnier' gern meinen Newsletter.